Pflanzen im Landkreis Miltenberg

Hier möchten wir Ihnen in zufälliger Reihenfolge einige Pflanzenarten vorstellen, die für den Landkreis Miltenberg entweder charakteristisch oder besonders gefährdet sind, oder beides.

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Scharfer Mauerpfeffer

Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre)
Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre)

Der Scharfe Mauerpfeffer Sedum acre ist in unseren Weinbergen ziemlich häufig anzutreffen. Er ist eine Art aus der Gattung der Fetthennen.

Der lateinische Gattungsname Sedum leitet sich vom Lateinischen sedere = sitzen ab. Denn meistens sitzen die Fetthennen und Mauerpfeffer auf Mauern und Felsen. Manchmal wird er auch von sedare = stillen abgeleitet, wegen der saftigen Blätter einiger Sedum-Arten, die als kühlendes und schmerzstillendes Wundmittel angewendet werden können. Die Artbezeichnung acre kommt von dem lateinischen Wort für scharf. Das stammt von dem scharfen Geschmack des Pflanzensaftes, wenn man ein Stück davon zerkaut.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist zweijährig, wächst auf trockenen, stickstoffarmen, aber neutralen bis eher kalkhaltigen Böden. Deshalb ist er häufig an verputzten Mauern in den Weinbergen und an Kieswegen zu finden, wo unsere normalerweise eher sauren Böden etwas kalkhaltiger sind. Oder auch in herbizidfreien Weinbergs-Parzellen, bei denen der Boden neutral bis basisch ist.

Ohne Blüte kann man den scharfen Mauerpfeffer mit dem milden Mauerpfeffer verwechseln (Unterschied: Sporn unten am Blatt! Blätter deutlich länger. Beim Kauen nicht scharf) oder auch dem weißen Mauerpfeffer (Unterschied: Blätter rund, wechselständig, deshalb wirken Blätter weiter auseinander). Diese Arten werden noch vorgestellt werden.

Die bestimmungsrelevanten Merkmale des scharfen Mauerpfeffers sind:

  • Hauptblütezeit Juni-Juli
  • Pflanze 5 - 15 cm groß
  • nach einigem Kauen bitter schmeckend
  • Kronblätter goldgelb, spitz, Staubblätter auch goldgelb leuchtend
  • Kelchblätter viel kürzer als die Kronblätter
  • Blüten auf 1-4 mm langen Stielen in beblätterten Winkeln sitzend
  • Früchte = sternchenförmige Balgfrüchte
  • Blätter nahe dem Grund am breitesten
  • Blätter fleischig, eiförmig, ohne Sporn
  • Wurzel dünnfaserig
  • Sproß ästig verzweigt, kriecht unterirdisch waagrecht
  • Ausdauernd

Der Scharfe Mauerpfeffer wurde schon bei Hippokrates als schwellungs- und entzündungshemmendes Mittel, auch als Brechmittel und gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Er wird heute noch als homöopathisches Arzneimittel gegen Hämorrhoiden verwendet. Die Jungpflanze wurde früher zum Schärfen von Salaten benutzt, aber zu viel davon kann zu Erbrechen führen. die Pflanze ist also wegen der enthaltenen Alkaloide mit Vorsicht zu genießen! Hohe Dosierung kann zu Reizung der Schleimhäute, zu Krämpfen und schlimmstenfalls auch zu Atemlähmung führen. (Judith Becker)


Gelbsterne

Wiesen-Gelbstern (Gagea pratensis) Foto: J. Becker

Die Blütezeit der Gelbsterne (Gagea) ist März bis Mai. Diese Pflanzengattung ist inzwischen wieder häufiger bei uns zu sehen. Viele Jahre durch die "Giftspritze" verbannt, konnte man sie nur noch an besonderen Stellen antreffen. Glücklicherweise hat Gesetzgebung und auch Wissen um die Zusammenhänge dazu beigetragen, dass es inzwischen wieder viele potentielle Biotope für die Gelbsterne gibt.

Im Landkreis Miltenberg finden wir meist nur zwei Gelbstern-Arten, die manchmal auch nebeneinander vorkommen, da die Ansprüche an den Standort ähnlich sind. So können kleine Unterschiede innerhalb eines Biotops schon entscheidend sein.

 

Gagea pratensis - Wiesen-Gelbstern

  • Pflanze 10 - 20 cm groß
  • Pflanze zierlich; Blütenstand, eine Scheindolde, meist 1-3-blütig
  • Unterstes Stängelblatt meist länger als der Blütenstand
  • Blütenblätter schmal (4 - 5 mal so lang wie breit), spitzlich
  • Äußere Perigonblätter breiter als die inneren
  • Blütenstiele kahl, Frucht nach oben kaum verbreitert
  • Blätter mit Kapuzenspitze, diese manchmal nicht immer deutlich
  • Grundständiges Blatt (4 - 6 mm breit), stark gekielt, am Grund meist weinrot
  • Grundblätter wesentlich länger als der Blütenstand
  • Jugendblätter mit V-förmigem Querschnitt
  • Behäutete, birnenförmige, liegende, stängeltragende Hauptzwiebel mit meist 2 liegenden, gelblichen, keuligen, nackten, Nebenzwiebeln

Durch die "Vorweiblichkeit", eine Art der Fremdbestäubung, ist die Narbe (weibliches Fortpflanzungsorgan) schon vor der Entleerung der Staubbeutel (männliche Fortpflanzungsorgane) empfängnisbereit. In dieser Zeit kann die Narbe nur von Pollen anderer Blüten bestäubt werden, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit für eine Fremdbestäubung erhöht. Trotzdem kommen die Samen in unseren Breiten oft nicht zur Reife und die Vermehrung geschieht vegetativ über die Brut-Zwiebeln.

Standort: Sandige bis lehmige Äcker, Weinberge, Parks, Friedhöfe, mäßig trockene Wegränder, extensiv genutzte Wiesen, reichere Sandtrockenrasen

Der Artname G. pratensis (lateinisch: pratum = Wiese, Wiesengras, Heu) deutet scheinbar erstmal auf den Standort der Pflanze hin. Allerdings trifft das nur teilweise zu. Es ist also auch darauf bezogen, dass die Pflanze blütenlos leicht mit Gras zu verwechseln ist.

Acker-Gelbstern (Gagea villosa) Foto: S. Scharrer

Gagea villosa - Acker-Gelbstern

  • Pflanze 10 - 15 cm groß
  • Blütenstand, eine Scheindolde, meist 5-12- blütig
  • Knospen, Blütenstiele und Perigonblätter außen behaart
  • Perigonblätter spitzlich, Spitze der Blütenblätter behaart
  • Griffel meist kurzhaarig (0,10-0,15 mm)
  • Immer 2 grundständige Blätter, kräftig, oberseits flachrinnig, am Grund rötlich
  • Jugendblätter drehrund; Querschnitt der Blätter rundlich bis elliptisch
  • 2 fast gegenständige Stängelblätter, nahe an den Hochblättern vom Blütenstand

Der Artname G. villosa (lateinisch villosus = zottig, rauh) deutet auf die Behaarung der Pflanze hin, was allerdings oft nicht auf die Gesamtpflanze, nur auf oben beschriebene, die Behaarung betreffende Merkmale zutrifft.

Die Vermehrung geschieht hauptsächlich über die Brutzwiebeln, aber auch durch die Samen. Anders als bei G. pratensis findet auch Selbstbestäubung statt, sogenannte Autogamie. Dies macht möglich, dass einzelne Pflanzen eine große Population aufbauen können. Auch, wenn sie isoliert von anderen ihrer Art stehen. Meist kommt es im frühen Stadium der Blüte zu Fremdbestäubung. Aber kommt kein "Fremder", geht die Pflanze im Endstadium der Blütezeit zu Selbstbestäubung über.

Standort: Mäßig trocken; Sandige Äcker u. Ackerränder, Weinberge, extensiv genutzte Wiesen, Parks, Friedhöfe, lichte Laubmischwälder, u. Waldränder im Hügel- u. Flachland. (Judith Becker)

Quellen: