Tiere im Landkreis Miltenberg

Hier möchten wir Ihnen in zufälliger Reihenfolge einige Tierarten vorstellen, die für den Landkreis Miltenberg entweder charakteristisch oder besonders gefährdet sind, oder beides.

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Efeu-Seidenbiene – ein Neubürger im Landkreis Miltenberg

Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae)
Lebensraum der Efeu-Seidenbiene in Großheubach (Foto: Steffen Scharrer)

Die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) wurde erst 1993 wissenschaftlich beschrieben und vorher mit der Heide-Seidenbiene (Colletes succinctus) zusammengefasst. Seither breitet sich die eigentlich mediterrane Art immer weiter aus – vor allem durch den Klimawandel. Über das klimatisch begünstigte Rheintal hat sie mittlerweile die Niederlande erreicht. Aus Bayern waren bisher drei Fundpunkte bekannt – aus Áschaffenburg, Würzburg und München. Nun haben wir sie auch im Landkreis Miltenberg nachgewiesen – an einer mit Efeu bewachsenen Mauer in den Weinbergen von Großheubach. Durch das Weinbauklima war sie hier auch zu erwarten und es ist damit zu rechnen, dass im Landkreis Miltenberg noch weitere Funde gemacht werden.

Neben der Honigbiene und den Hummeln leben in Deutschland mehr als 500 Wildbienen. Die allermeisten sind klein und unauffällig. Sie bilden keine Staaten, sondern bauen einzeln oder in kleinen Ansammlungen Nester im Boden oder in den Stängeln von Pflanzen. Die Efeu-Seidenbiene baut ihre Nester in Sand oder Löss an schütter bewachsenen Stellen oder an Steilwänden. Sie werden mit einer seidig anmutenden Substanz ausgekleidet. Daher kommt auch der deutsche Gattungsname.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bienenarten, sammelt die Art ihren Pollen fast ausschließlich auf den Blüten des Efeus. Da dieser spät im Jahr blüht, ist die Efeu-Seidenbiene eine der am spätesten fliegenden Arten im Jahr. Man kann sie auch im Oktober an warmen Tagen noch an Efeublüten finden. Wie alle Wildbienen ist auch die Efeu-Seidenbiene äußert friedfertig und wird nur stechen, wenn man versucht, sie mit der Hand zu fangen. Ihr Stich ist deutlich weniger schmerzhaft als der der Honigbiene.

Wegen ihrer Vorliebe für Efeu, ist die seltene Art recht einfach zu finden. Sie ist ungefähr so groß wie eine Honigbiene oder etwas kleiner. Der Vorderkörper ist dicht hell- bis rötlichbraun behaart und am Hinterleib finden sich an jedem Segment auffällige, dichte, helle Haarbinden.

Um die seltene Efeu-Seidenbiene zu fördern, sollten größere Efeupflanzen erst nach der Blüte im Oktober geschnitten werden. Ferner sollte man – auch für andere bodenbewohnende Insekten – im Garten offene Stellen lassen und nicht alles versiegeln.

Teilen Sie Ihre Beobachtungen mit uns!

Wer eine Efeu-Seidenbiene entdeckt, kann uns diesen Fund gerne melden. Die E-Mail-Adresse lautet: biene@bn-miltenberg.de.

Diese Angaben benötigen wir:

  • Datum des Fundes
  • Genauer Fundort (gerne auch mit Koordinaten oder Markierung auf einer Karte, z.B. Google Maps)
  • Anzahl der Tiere
  • ggf. ein Foto

 


Blindschleiche – Reptil des Jahres 2017

Die Blindschleiche ist das Reptil des Jahres 2017.
Blindschleiche im Portrait
Die Blindschleiche ist in Bayern weit verbreitet. Im Landkreis Miltenberg weist die Karte große Lücken auf.
Die Ringelnatter zeichnet sich durch die gelben, halbmondförmigen Flecken beiderseits des Kopfes aus.
Die Schlingnatter hat glatte, ungekielte Schuppen und wird wegen ihrer Zeichnung manchmal für eine Kreuzotter gehalten.

Die Blindschleiche (Anguis fragilis) kennen viele Menschen im Landkreis Miltenberg aus ihrem Garten. Aber wie häufig ist diese Echsenart bei uns wirklich noch? Mit Ihrer Hilfe möchten wir das herausfinden.

Der Name der Blindschleiche leitet sich von dem althochdeutschen Wort „plint“ für blendend ab und bezieht sich auf den Glanz ihres Körpers. Sie ist also nicht etwa blind. Sie ist auch keine Schlange, sondern eine beinlose Echse.  Die Art gilt in Bayern noch als ungefährdet, steht aber auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Noch immer ist die Blindschleiche - trotz ihrer relativen Häufigkeit - eines der am wenigsten erforschten Kriechtiere Europas. Blindschleichen legen keine Eier, sondern bringen etwa zehn vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. 

Blindschleichen besiedeln am liebsten lichte Wälder und strukturreiche Waldränder. Sie kommen bei uns aber auch häufig in Gärten und Parks vor. Hier sind sie durchaus nützliche Helfer, die neben Regenwürmern und Insekten gerne Nacktschnecken fressen. In einem naturnahen Garten sind Blindschleichen daher eine große Bereicherung und tragen zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen bei.

Gerade in Gärten werden sie jedoch auch häufig Opfer von Mäharbeiten, da sie versteckt am Boden leben. Weitere Gefahren sind der Straßenverkehr und streundende Hauskatzen oder Hunde, die ihnen nachstellen.

Unterscheidung von Schlangen:

Weil sie ebenfalls beinlos ist, wird die Blindschleiche manchmal mit einer Schlange verwechselt. Die Blindschleiche zeichnet sich durch die glatte, glänzende Körperoberfläche aus, die oberseits braun oder grau ist. Sie wird selten länger als 40 cm. Im Gegensatz zu Schlangen hat sie bewegliche Augenlider und mehrere Längs­reihen von Bauchschuppen statt einer Reihe, wie bei Schlangen. (Fotos: Adobe Stock)

 

Die beiden Schlangenarten im Landkreis Miltenberg:

In unserem Landkreis kommen lediglich zwei Schlangenarten vor: 

Die Ringelnatter ist relativ leicht an den deutlichen hellen, halbmondformigen Flecken beiderseits des Kopfes zu erkennen, der nach hinten schwarz eingefasst ist. Ihre Schuppen sind gekielt.

Die Schlingnatter (auch Glattnatter genannt) zeichnet sich ungekielte Schuppen und einen dunklen Fleck auf dem Hinterkopf aus. Ihre Rückenzeichnung ist sehr unterschiedlich, z. B. mit quer liegenden Streifen, einer Doppel­reihe von Punkten, oder Längsstreifen. Sie wird daher häufig mit der Kreuzotter verwechselt. Diese hat aber gekielte Schuppen und eine schlitzförmige Pupille.

Die Kreuzotter ist im Landkreis Miltenberg nicht heimisch.

Teilen Sie Ihre Beobachtungen mit uns!

Der Bund Naturschutz möchte sich ein flächendeckendes Bild über die aktuelle Verbreitung der Blindschleiche im Landkreis Miltenberg machen. Haben Sie kürzlich eine Blindschleiche bei einem Spaziergang oder in Ihrem Garten gesehen? Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail: blindschleiche@bn-miltenberg.de

 

Diese Angaben benötigen wir von Ihnen:

  • Datum des Fundes
  • Genauer Fundort (gerne auch mit Koordinaten oder Markierung auf einer Karte, z.B. Google Maps)
  • Anzahl der Tiere
  • ggf. ein Foto des Fundes

Selbstverständlich sind wir auch sehr dankbar für Berichte über das Vorkommen anderer Reptilienarten, zum Beispiel Schlangen.

 


Feuersalamander

Feuersalamander
Larve des Feuersalamanders
Verbreitung des Feuersalamanders in Bayern
Typischer Lebensraum in der Klingenberger Schlucht

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist eines der bekanntesten Tiere unserer Heimat. Wir im Landkreis Miltenberg haben für diese Amphibienart eine ganz besondere Verantwortung: Nur hier (und in unserem Nachbarlandkreis Aschaffenburg) ist der Feuersalamander in Bayern nahezu flächendeckend vertreten, wie die Verbreitungskarte deutlich zeigt.

Besonders liebt der Feuersalamander Laubwälder, vor allem die Waldtäler und -schluchten in Spessart und Odenwald. In den kleinen Bachläufen setzen die Weibchen im zeitigen Frühjahr bis zu 70 voll entwickelte Larven ab. Sie weisen am Kopf zwei Kiemenbüschel auf, mit denen sie im Wasser atmen. Am Beinansatz haben die Larven gelbliche Flecken, was sie von Molchlarven unterscheidet.

Die erwachsenen Tiere werden bis etwa 20 cm groß und leben das ganze Jahr über an Land. Feuersalamander sind vor allem nacht- und dämmerungsaktiv. Den Tag verbringen sie unter Steinen, Baumstämmen und Wurzeln. Nachts machen sie Jagd auf Insekten, Würmer und Schnecken.

Auch wenn der Feuersalamander im gesamten Landkreis vorkommt, gibt es Hinweise, dass ihre Zahl in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpft ist. Zum Beispiel fand man früher im Frühjahr auf der Straße zwischen Klingenberg und Mechenhard sehr viele überfahrene Feuersalamander, heute nur noch wenige. Vor allem die Umwandlung naturnaher Wälder in Nadelforste und die Verbauung von Bächen und Quellen bedrohen die Art.

Der Bund Naturschutz setzt sich daher im Landkreis Miltenberg für die Erhaltung naturnaher Bachläufe und ihrer Quellbereiche im Spessart und im Odenwald ein. Auch von der Ausweisung eines Nationalparkes im Spessart wird der Feuersalamander profitieren. Wo Totholz im Wald verbleibt, finden die Tiere ausreichend Nahrung und viele Versteckmöglichkeiten.

An einem regenfeuchten Morgen kann man mit etwas Glück Feuersalamander in ihrem Lebensraum beobachten - zum Beispiel in der Klingenberger Seltenbachschlucht. (Fotos: Adobe Stock, S. Scharrer)


Libelle des Jahres 2017: Gemeine Keiljungfer

Gemeine Keiljungfer
Gemeine Keiljungfer (Foto: S. Scharrer)

Der BUND hat, gemeinsam mit der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen, die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) zur Libelle des Jahres 2017 gekürt. Sie steht stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten, die sehr stark von intakten Fließgewässern abhängig sind. Sie kommt im Landkreis Miltenberg entlang des Mains vor – zum Beispiel auch in den Mainauen zwischen Kleinwallstadt und Sulzbach.

Zwar hat sich die Wasserqualität in Bächen und Flüssen bundesweit leicht verbessert und immer mehr Gewässer werden renaturiert. Aber nach wie vor befinden sich nur sieben Prozent der deutschen Flüsse und Bäche in einem "guten" oder "sehr guten" ökologischen Zustand. Schwierigkeiten bereiten ihren Larven zu starke und plötzlich auftretende Strömungen, die zum Beispiel entstehen, wenn die Einzugsgebiete von Fließgewässern versiegelt werden. Dadurch können ganze Larvenjahrgänge abdriften und sterben. Auch dauerhafte Gewässerverschmutzungen können die Larven schädigen. Zu schaffen macht der Libellenart auch von Schiffen ausgelöster Wellenschlag, dem etliche Tiere an vielbefahrenen Flüssen wie dem Main zum Opfer fallen.

Die Larven der Gemeinen Keiljungfer graben sich in den Boden ein, um auf Nahrung wie Bachflohkrebse, Kaulquappen oder die Larven anderer Insekten zu lauern. Diese erbeuten sie mit ihrer stark verlängerten Unterlippe, der für Libellen typischen "Fangmaske". Die Libelle des Jahres 2017 gehört innerhalb der Großlibellen zur Familie der Flussjungfern. Erkennbar sind sie an der schwarz-gelben Körperzeichnung und der besonderen Stellung ihrer Augen. Während bei Kleinlibellen die Facettenaugen weit außen sitzen und sich bei allen anderen Großlibellenarten an einer Stelle treffen, besteht bei den Flussjungfern immer eine kleine Lücke zwischen beiden Augen.

Ende April oder Anfang Mai schlüpfen die Libellen an den Ufern und sind meist nur bis Mitte August zu beobachten. Verwechselt wird die Gemeine Keiljungfer oft mit nahen Verwandten wie der Westlichen oder der Asiatischen Keiljungfer. Von diesen ist sie wegen ihrer durchweg schwarzen Beine zu unterscheiden, die keinen helleren Längsstrich aufweisen.


Zippammer

Zippammer
Zippammer (Foto: E. Reichert)

Die Zippammer (Emberiza cia) gehört zur Familie der Ammern und ist innerhalb Europas vor allem in den Mittelmeerländern verbreitet. Sie liebt steile, offene und gerne felsige Berghänge mit Gräsern, Kräutern, Gebüsch und einzelnen Bäumen. Der englische Name "Rock Bunting" weist auf ihre Vorliebe für felsige Biotope. Mit ihrer kontrastreichen Kopfzeichnung, der aschgrauen Kehle und dem rostbrauenen Bauch ist sie unverkennbar. Der deutsche Name erinnert an ihren Erregungslaut, ein scharfes "zip,zip. Sie ist sowohl Körner- als auch Insektenfresser.

In Deutschland ist die Zippammer ein sehr seltener Brutvogel, an der nördlichen Grenze seines europäischen Areals. Die hauptsächlichen deutschen Brutgebiete liegen am Mittelrhein, an Mosel, Nahe und Ahr und seit mehreren Jahren auch in Mainfranken, überall dort, wo in Steillagen Weinbau betrieben wird, möglichst extensiv, mit lückigen Rasenflächen, Steinriegeln, Lesesteinhaufen, Gebüschen und einzelnen Bäumen und vor allem mit Trockenstein-Terrassen.

Dieser selten gewordene Lebensraum findet sich auch noch in den Untermain-Weinbergen zwischen Erlenbach und Großheubach/Miltenberg, wo sie seit den siebziger Jahren sporadisch immer wieder gesehen wurde. Inzwischen scheint sie sich fest im Landkreis Miltenberg etabliert zu haben, mit mehreren Brutpaaren in allen Terrassen-Weinbergen unseres Gebietes, eine ornithologische Kostbarkeit. (Eckart Reichert)