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Bund Naturschutz lehnt geplant Umgehungsstraße in Stadtprozelten ab

Der Bund Naturschutz im Landkreis Miltenberg lehnt die Ortsumgehung Stadtprozelten ab. Der Flächenverbrauch sei zu hoch, die Notwendigkeit nicht nachgewiesen. Das Straßenbauamt halte Ergebnisse der Verkehrszählung bewusst zurück.

31.01.2017

Die Oberste Baubehörde hat in ihrem 7. Ausbauplan für die Staatsstraßen in Bayern für die Ortsumgehung Stadtprozelten der St 2315 eine Umweltrisikoeinschätzung erstellt. Als Ergebnis wurde das Risiko zusammenfassen als „hoch“ eingestuft. Es wird ein erhebliche Beeinträchtigung der Natur 2000 Gebiete „Buntsandsteinfelsen am Main und die Maintalhänge zwischen Bürgstadt und Wertheim. Außerdem spielt der hohe Flächenverbrauch eine entscheidende Rolle. Die Baumaßnahme würde 2,2 ha zusätzliche Fläche in Anspruch nehmen, die zum größten Teil den Hochwasserdurchfluss im Mainvorland einengen würde. Ganz konkret bedeutet die Planung: Mitte Gleisbett der Bahn bis Außenkante Sandsteinverkleidung Arkaden 15 Meter, danach etwa 3 Meter Freifläche, im Anschluss noch der Radweg mit 3 Meter Breite. Kurz dahinter käme dann schon der Main. „Wo bleibt dann das Mainvorland?“, fragt der Bund Naturschutz.

Der Vorsitzende des Bundes Naturschutz im Landkreis Miltenberg Steffen Scharrer: „Zusätzlicher Flächenverbrauch bei zukünftig zu erwartenden steigenden Hochwassermarken in einer derart sensiblen Lage ist nicht zu verantworten. Die Einengung des Hochwasserquerschnitts hätte auch auf der Mondfelder Mainseite erhebliche Auswirkungen durch Anstieg der Hochwasserlinie.“ Nach Auffassung des stellvertretenden BN-Vorsitzenden Hans-Jürgen Fahn kommt auf die Mondfelder Bürger wird zudem eine erhebliche Lärmbelastung zu. Dies dürfe man bei der Diskussion nicht vergessen werden.

Der relativ geringe Durchgangsverkehr in Stadtprozelten mit etwa 4000 Fahrzeugen pro Tag rechtfertigt nach Auffassung des Bundes Naturschutz keine Ortsumfahrung. Ein nachhaltiger Hochwasserschutz sei dagegen unumgänglich. Nach aktueller Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes liegen die Kosten der Hochwasserschutzmaßnahme ohne Ortsumfahrung bei sechs bis sieben Millionen Euro. Davon hätte die Stadt Stadtprozelten als Beteiligte einen Anteil von 35 Prozent zu tragen, also nur etwas mehr als zwei Millionen Euro. Die Realisierung einer Kombination aus Ortsumfahrung und Hochwasserschutz würde die anteiligen Kosten für die Stadt vermutlich drastisch erhöhen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommune übersteigen.

Der Bund Naturschutz fordert die Veröffentlichung der bereits erhobenen Daten zum Ziel- und Quellverkehr. Ohne diese Daten sei nicht erkennbar, wie viele Fahrzeuge die Umgehungsstraße tatsächlich benutzen werden. „Stadtprozelten stochert im Nebel. Was wir brauchen, sind die Ergebnisse der separaten Verkehrsuntersuchung, von der sich Herr Biller Synergieeffekte verspricht“, so die BN-Verkehrsexpertin Marion Gado.

Fazit für den Bund Naturschutz: „Angesichts der unkalkulierbaren Kosten für Ortsumfahrung und Hochwasserschutz und dem als hoch eingestuften Umweltrisiko ist eine Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes mit kombinierter Ortsumfahrung und Hochwasserschutz nicht zu empfehlen. Vielmehr sollte dem Hochwasserschutz jetzt Vorrang gegeben werden.“

Werner J. Zöller vom BN-Arbeitskreis Verkehr hat noch ein weiteres Argument: Wenn die bisherige Staatsstraße zur Gemeindestraße abgestuft wird, fielen dafür Straßenausbaubeiträge an. Dann komme für die Stadtprozeltener Bürger das böse Erwachen. Als Alternative schlägt der Bund Naturschutz vor, in Stadtprozelten flächendeckend Tempo 30 einzuführen,  denn das sorge für eine sinkende Lärmbelastung.