Wildkatze im Landkreis wieder heimisch

Wildkatze
Wildkatzen-Nachweise

Die Wildkatzenerfassung im Landkreis Miltenberg 2017 war ein voller Erfolg. 21 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer hatten insgesamt 48 Lockstöcke ausgebracht. Anhand der genetischen Analyse der dort haften gebliebenen Haare konnten 9 Wildkatzen im Landkreis identifiziert werden. Besonders erfreulich ist, dass hierbei der Erstnachweis der Art für den Odenwald gelungen ist. Jetzt wollen wir die Erkenntnisse in praktische Naturschutzmaßnahmen ummünzen. Dabei gilt die Wildkatze als "Schirmart", denn wo es ihr gut geht, können auch viele andere seltene Tiere und Pflanzen leben.

Wir wollen ein Verbundsystem von Naturwald-Inseln im Landkreis schaffen - gemeinsam mit den Gemeinden. Zwischen diesen sollen Korridore (z.B. aus Feldgehölzen) den Tieren die Ausbreitung erleichtern. Auch die Aufklärung der Bevölkerun ist wichtig, damit junge Wildkatzen nicht mit nach Hause genommen oder sogar kastriert werden.

Mehr über die Biologie der Wildkatze und ihre Situation in Bayern erhalten Sie hier.

Eine Präsentation der wichtigsten Ergebnisse sehen Sie hier.


Der Spessart soll Luchsland werden

Luchs mit Jungtieren (Foto: Willner)
Fotofallen-Aufnahme aus dem Spessart (Bay. Staatsforsten)

In unserem Nachbarlandkreis Main-Spessart hat im Oktober eine Fotofalle einen Luchs aufgenommen. Der BUND Naturschutz (BN) freut sich über den Nachweis eines Luchses im Spessart und fordert, die Wiederbesiedlung Bayerns durch den Luchs durch gezielte Freisetzen von Luchsen in  geeigneten bayerischen Mittelgebirgen und im bayerischen Alpenraum zu unterstützen – zum Beispiel im Spessart.

„Wir freuen uns sehr über den Luchs, der jetzt im Spessart aufgetaucht ist“, freut sich Sebastian Schönauer, stellv. Landesvorsitzender des BN: „Wir wussten, dass der Spessart ein geeigneter Lebensraum für den Luchs ist. Leider hat es seit der letzten Luchssichtung in Main-Spessart im Februar 2016 bis jetzt eineinhalb Jahre gedauert, bis wieder ein Luchs nachgewiesen werden konnte. Damit der jetzt fotografierte Luchs nicht ein einmaliger Besucher bleibt und sich Luchse auf Dauer wieder ansiedeln können, rufen wir die Bayrische Staatsregierung zum Handeln auf.“

Diese hat 2008 im Managementplan Luchs das Ziel einer „vitalen Luchspopulation“, die „alle geeigneten Lebensräume Bayerns besiedelt“ definiert. Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter stellt fest, dass Bayern von einer Zielerreichung weit entfernt ist: „Die letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass das Ziel ohne eine gezielte Wiederansiedlung nicht zu erreichen ist. Darüber können auch einzelne Sichtungen wie die aktuelle nicht hinwegtäuschen. Deswegen fordern wir die Freisetzung von je etwa 20 Tieren in geeigneten Lebensräumen in den bayerischen Mittelgebirgen und den Alpen.“

Zunächst müsse die Bayerische Staatsregierung dafür den Managementplan Luchs ändern, denn eine Freisetzung von Luchsen zur Unterstützung der Wiederansiedlung wird in diesem bisher kategorisch ausgeschlossen.

Jungluchse wandern meist nur 50 km weit ab. Auf ihren Wanderungen sind sie großen Gefahren ausgesetzt, v.a. durch den Straßenverkehr und durch Wilderei. Deswegen ist eine spontane Besiedlung der geeigneten Lebensräume durch abwandernde Tiere, die zur Etablierung des Luchses in neuen Gebieten führt, derzeit nicht möglich. Dies hat der Bund Naturschutz bereits im Juli 2016 mit einer von dem renommierten Wildtierbiologen Ulrich Wotschikowsky erarbeiteten Studie belegt.

Wiederansiedlungsoffensive kann ein erneutes Aussterben verhindern

Spessart, Rhön, Frankenwald und Oberpfälzer Wald mit Steinwald und Fichtelgebirge sowie das Bayerisch-Böhmische Grenzgebirge geeignete Luchslebensräume – mit günstigen Ausbreitungsmöglichkeiten in den Thüringer Wald, ins Erzgebirge und Elbsandsteingebirge. Ebenso gilt dies für die bayerischen Alpen mit Anbindungsmöglichkeiten an Luchsvorkommen in den West- und Ostalpen.

Die aktuell bestehenden sechs kleinen Luchsbestände Mitteleuropas sind langfristig  nicht überlebensfähig, solange ein Austausch untereinander nur in Ausnahmefällen oder gar nicht möglich ist, weil sie zu weit voneinander entfernt liegen. Wegen der geringen Zahl von Gründertieren muss in allen Populationen mit genetischen Problemen gerechnet werden. Einer Verbindung der sechs Bestände zur Stabilisierung der Gesamtpopulation muss deswegen höchste Priorität eingeräumt werden.

Ohne diese Verbindung besteht tatsächlich die Gefahr des erneuten Aussterbens des Luchses in Mitteleuropa. Statt tatenlos ein Aussterben in Kauf zu nehmen, könnte Bayern den Beispielen von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz folgen. Im Nationalpark Harz wurden seit 2000 24 Luchse erfolgreich ausgesetzt und letztes Jahr im Pfälzer Wald die ersten Luchse eines mehrjährigen Wiederansiedlungsprojektes freigelassen.