Klimaschutzpreis 2018

Kreisvorsitzender Steffen Scharrer übergibt die Urkunde an Reinhard Deckelmann.

Nachfolgend die Vorstellung der Preisträger mit der Begründung:

Familie Deckelmann, Elsenfeld

Träger des Klimaschutzpreises des Bundes Naturschutz 2018 ist die Familie Deckelmann aus Elsenfeld.

Familie Deckelmann hat eine historische Mühle an der Elsava restauriert und hat diese wieder befähigt, über einen Generator Strom zu erzeugen. Der Strom deckt vorwiegend den Eigenverbrauch der Familie, ein Teil kann zusätzlich in das Netz eingespeist werden. Das ist aber wirtschaftlich nicht besonders attraktiv und stand bei der Investition für die Familie nicht im Vordergrund.

Die Mühle ist wahrlich als historisch zu bezeichnen. Die Getreidemühle wurde 1887 vom Urgroßvater von Reinhard Deckelmann gekauft. Der Großvater baute sie später so um, dass sie im Nebenerwerb Strom erzeugen konnte. In den Kriegszeiten war das wegen des Ölmangels sinnvoll. Aber bereits 4 Jahre später, im Jahre 1918, endete mit dem Tod des Großvaters die Stromproduktion. In einer wechselhaften Geschichte wurde die Mühle dann wieder zum Mahlen von Korn genutzt.

1999 entschied sich Reinhard Deckelmann, die Mühle zu restaurieren und wieder für ihren ehemaligen Zweck, die Stromproduktion, herzurichten.

Als erstes waren umfangreiche Sanierungen am Gebäude notwendig. Dann musste als größtes Teilprojekt, sowohl finanziell als auch die räumliche Dimension betreffend, das Wasserrad komplett erneuert werden. Nach weiteren Umbauten und der Installation des Generators wurde dann 2001 der erste Strom erzeugt.

Der Betrieb und die Unterhaltung einer so geschichtsträchtigen Mühle ist nicht zu unterschätzen: Immer wieder sind steuernde manuelle Eingriffe während des Betriebes notwendig. Es fallen auch immer wieder Wartungs- und Austauscharbeiten an. So unterliegen z.B. die Holzzähne der Getriebezahnräder einer natürlichen Abnutzung und müssen hin und wieder erneuert werden. Und auch das Wasserrad muss, wie man sich leicht vorstellen kann, aufwändig in Schuss gehalten werden. Schließlich, damit das alles gut läuft, müssen Lager regelmäßig gefettet werden.

Dass der Klimaschutzpreis heute an die Familie Deckelmann geht, liegt nicht nur an der klimafreundlichen Stromproduktion durch die Familie. Wir finden, auch die Leistung, ein historisches Bauwerk und dessen Technik zu erhalten und wieder seiner gedachten Funktion zuzuführen, verdient unsere Anerkennung.

Wenn wir heute immer wieder über moderne Technik diskutieren, die uns helfen kann, den CO2-Aussstoß zu reduzieren, ist es auch wichtig, daran zu erinnern, dass manche unserer Vorfahren schon vor 100 Jahren auf einem Weg waren, den wir nun entschlossen weitergehen müssen.

Firma FRIPA und Landkreis Miltenberg

Übergabe der Urkunde an Verena Queck-Glimm und Thorsten Bahl (Firma FRIPA) und Landrat Jens Marco Scherf und Andreas Wosnik vom Landkreis Miltenberg.

Der Klimaschutzpreis des Bundes Naturschutz 2018 geht an die Firma FRIPA und den Landkreis Miltenberg

Wir würdigen damit eine Kooperation zwischen einem privatwirtschaftlichen Unternehmen und einer kommunalen Verwaltung. Sie zeigt beispielhaft, dass man sehr viel für den Klimaschutz erreichen kann, wenn man seine ganz unterschiedlichen Bedürfnisse so aufeinander abstimmt, dass ein neues Ganzes daraus wird.

Die Grundidee ist, mit der Abwärme, die bei industriellen Prozessen entsteht – hier bei der Firma FRIPA - öffentliche Einrichtungen zu beheizen - die Schulen des Landkreises Miltenberg. Diese Idee ist an sich nicht ganz neu und auch hier in Miltenberg wurde sie aus der Mitte des Kreistages heraus schon vor etwa zehn Jahren geboren. Sie bedurfte aber offensichtlich einer gewissen Reifung – und vielleicht auch einer politischen Veränderung.

2015 ging es dann los und der Umweltausschuss des Kreistages gab grünes Licht für Vorplanungen. In einem ersten Schritt musste ermittelt werden, ob die FRIPA überhaupt genügend Wärmenergie für die Beheizung zur Verfügung stellen kann. Denn bei der FRIPA wird die Abwärme bereits mehrfach intern genutzt. Eine von FRIPA und dem Landratsamt in Auftrag gegebene Potentialstudie hat das dann aber ein positives Ergebnis gezeitigt.

Am 19.12.2016 stimmte der Kreistag für das Nahwärmekonzept. Ich möchte ausdrücklich hervorheben, dass es sich um einen einstimmigen Beschluss handelte. Das verdient besondere Anerkennung – gerade auch für die Kreisräte, die nicht den Mehrheitsfraktionen angehören.

Anschließend ging es daran, die technische Umsetzung zu planen und schließlich musste alles auch praktisch realisiert werden. Um die Wärme von der FRIPA zu den Schulen zu transportieren mussten dabei auch noch Leitungen über den öffentlichen Grund der Stadt Miltenberg gelegt werden.

Schließlich musste auch eine Vereinbarung zwischen der FRIPA und dem Landkreis getroffen werden, die das Projekt langfristig absichert.

Man kann sich auch als Laie gut vorstellen, dass da einiges zu organisieren war und es sicherlich an der einen oder anderen Stelle auch mal schwierig wurde. Wie wir hörten, bedurfte es einiges an Durchhaltevermögen, um das Ganze zu einem guten Ende zu bringen. Wenn man weiß, wie unterschiedlich privatwirtschaftliche Unternehmen und Behörden teilweise funktionieren, kann man diese Leistung gar nicht hoch genug einschätzen.

Umso schöner ist es, heute ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt zu würdigen. Und wenn davon sowohl die Firma FRIPA, der Landkreis Miltenberg und der Klimaschutz profitiert, so greift der Begriff von der win-win-Situation zu kurz. Da müsste man schon von einer win-win-win-Situation sprechen.

Wir sind der Meinung: Dieses Projekt hat Vorbildcharakter. Es zeigt es zweierlei:

-         Da ist ein Unternehmen, das von gesellschaftlicher Verantwortung nicht nur spricht, sondern sie ernst nimmt und danach handelt.

-         Da sind eine Kommunalverwaltung und ein kommunales Gremium, das über den Tellerrand hinausblickt und bewusst einen Weg geht, der sicher nicht der einfachste war und ist.

Herzlichen Glückwunsch für den Klimaschutzpreis 2018 - an die Firma FRIPA und an den Landkreis Miltenberg.


Arbeitskreis Energie sucht Mitstreiter

Seit Herbst 2016 gibt es unseren Arbeitskreis Energie. Er will die Energiewende im Landkreis Miltenberg begleiten und konkrete Vorschläge dazu machen. Wer Interesse an diesem Thema hat ist herzlich willkommen und kann sich direkt an Lutz Loebel wenden: lutz.loebel@bn-miltenberg.de.

Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach der BN-Geschäftsstelle in Obernburg
Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach der BN-Geschäftsstelle in Obernburg

Energiespartipps

  • Etwa die Hälfte unserer Energiekosten frisst die Raumheizung. Die gute Nachricht: Hier lässt sich am meisten sparen. Wer die Raumtemperatur um nur ein Grad senkt, spart sechs Prozent der Kosten.
  • Kühl- und Gefriergeräte laufen immer und verbrauchen ein Drittel der Stromkosten im Haushalt. Dabei ist die maximale Kühltemperatur selbst jetzt im Sommer nicht nötig. Daher runter damit auf Position 2. Außerdem sollten Sie den Reifansatz im Gefrierer stets beobachten. Ist er dicker als 2 Zentimeter, sofort abtauen.
  • Das Geschirr spülen von Hand unter fließendem Warmwasser ist ein richtiger Energiefresser – daher ab damit in den Geschirrspüler. Aber stets darauf achten: Die Maschine erst voll beladen starten. Vorreinigung ist oft nicht nötig, die Spültemperatur kann ruhig reduziert werden – spart bis zu 30 Prozent Energie.
  • 70 Prozent aller Haushalte kochen mit Strom – wer dabei sparen will, sollte darauf achten, dass das Geschirr stets die gesamte Kochplatte bedeckt.
  • Ein Deckel reduziert die Energiekosten gleich doppelt. Kein Dampf entweicht aus dem Topf, daher auch keine Abzugshaube in Betrieb.
  • Beim Backen oder Braten ist ein Vorheizen meist nicht nötig: Ein rechtzeitiges Abschalten nutzt die Restwärme und spart zusätzlich Strom.
  • Wer das Fassungsvermögen einer Waschmaschinentrommel maximal nutzt, spart schon deutlich Energie. Wer statt Kochwäsche die 60 Grad wählt und auf die Vorwäsche verzichtet, spart die Hälfte des Stromverbrauchs. Unser Tipp: Reduzieren sie auch die Schleuderdrehzahl und wählen sie, wenn möglich, Kurzprogramme.
  • Und nicht vergessen: am sparsamsten wird nasse Wäsche natürlich an der frischen Luft getrocknet.
  • Ein gutes Licht machen nicht nur Glühbirnen oder Halogenlampen, jetzt können das auch die Energiesparlampen. Sie sind zwar teuerer als die Glühbirne, leben aber zehnmal länger und verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom. Ein Beispiel: Eine 11 Watt Energiesparlampe entspricht einer 60 Watt Glühbirne.
  • Wer seinen Fernseher per Fernbedienung ausschaltet, versetzt ihn nur in eine Art "Schlummerzustand" und trennt ihn nicht vom Stromnetz. In diesem "Stand by"-Modus verbrauchen die Geräte trotzdem noch Strom. Unser Tipp: Nutzen sie hier schaltbare Steckdosenleisten.

Auch wenn dies alles banal und selbstverständlich klingen mag, allein mit diesen Tipps kann ein Single Haushalt bis zu 200 Euro und eine vierköpfige Familie bis zu 1.000 Euro Energiekosten und Treibhausgase pro Jahr sparen, vorausgesetzt man hält sich daran.

Wussten Sie übrigens, dass Stromverbrauchsspitzen u.a. eine Begründung für den Bau neuer Kernkraftwerke sind ? Betreiben Sie deshalb stromintensive Geräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler möglichst nicht während der Spitzenlastzeiten (Nie am Montag morgen! Nie von 10 bis12 Uhr! Nie von 17 bis 20 Uhr .